Silver Worker als Berater für Führungskräfte| Badenoch + Clark
Silver Worker

Silver Worker als Berater für Führungskräfte: Antwort auf den demografischen Wandel?

Langjährige Erfahrung, Sozialkompetenz und Selbstdisziplin: Die Generation der Silver Worker kann mit Eigenschaften punkten, die für Unternehmen Gold wert sind. Gerade im Zeitalter des Fachkräftemangels ist die Weiterbeschäftigung von Mitarbeitern im Rentenalter ein richtiger Ansatz. Welche Konzepte helfen bei seiner Realisierung?

Die Babyboomer – die geburtenstärkste Generation, die es je in Deutschland gegeben hat – scheiden nach und nach aus dem Erwerbsleben aus. Einem aktuellen Report von Statista zufolge wird dadurch bis 2030 ein Defizit von zwei Millionen Fachkräften entstehen, da aufgrund der stetig sinkenden Geburtenrate nicht mehr genügend jüngere Arbeitskräfte nachwachsen. Deswegen müssen umgehend Maßnahmen zur Schließung dieser Lücke ergriffen werden. Neben der Verkürzung der Ausbildungszeit und der verstärkten Einbindung von Frauen in den Arbeitsmarkt kann die Weiter- bzw. Wiederbeschäftigung im Rentenalter Abhilfe – und zusätzlichen Mehrwert – schaffen.

Negatives Schubladendenken muss überwunden werden

Die Lebenserwartung in Deutschland ist in den letzten 50 Jahren um etwa 10 Jahre gestiegen. Darüber hinaus entspricht heute das kalendarische Alter von 70 Jahren einem Gesundheitsalter von ca. 60 Jahren. Infolgedessen sind viele Menschen im regulären Renteneintrittsalter weiterhin sowohl körperlich als auch geistig leistungsfähig und -willig. Die meisten wünschen sich eine Beschäftigung im Rahmen einer Selbstständigkeit oder einer Teilzeitarbeit. 

Dabei steht Umfragen zufolge der finanzielle Anreiz nicht an erster Stelle. Die meisten wollen weiterhin sinnstiftende Arbeit leisten, sich wertgeschätzt fühlen und nicht zuletzt den Kontakt zu jüngeren Menschen pflegen. Wie steht es aber mit ihren Chancen, weiterarbeiten zu können? In Deutschland ist das Altersbild immer noch durch negative Stereotypen geprägt: Ältere Menschen seien weniger belastbar, öfter krank und Neuerungen gegenüber nicht aufgeschlossen. Insbesondere Führungskräfte werden schon frühzeitig in Rente geschickt: Laut einer Auswertung der Hans-Böckler-Stiftung entlässt die Hälfte der Unternehmen ihre Manager bereits mit 60 Jahren in den Ruhestand. Aufgrund der demografischen Entwicklung werden sich das die Firmen jedoch nicht mehr länger leisten können.

Der Vorreiter der Senior Experts: Bosch Management Support 

Einige haben dies früh erkannt und nutzen längst das immense Know-how ihrer Mitarbeiter im Ruhestand. So gründete Bosch bereits 1999 seine Tochtergesellschaft Bosch Management Support GmbH (BMS), die ehemalige Mitarbeiter befristet für Projekt- und Beratungsaufgaben ins Hauptunternehmen vermittelt. Insgesamt bringen weltweit über 1 700 Senior Experts stolze 40 000 Jahre an Know-how zusammen, die sie ihrem ehemaligen Arbeitgeber bei akutem Bedarf zur Verfügung stellen. Sie kommen vor allem in den Bereichen Prozessanalyse und -verbesserung sowie Qualitätssicherung zum Einsatz, führen aber auch Schulungen durch und agieren als Mentoren für neue Führungskräfte. Eine Win-win-Situation für alle Beteiligten: Die Senioren haben als selbstständige Berater einen angemessenen Nebenverdienst, unerfahrene Mitarbeiter profitieren vom Wissenstransfer und der Zulieferer spart sich die Sozialabgaben. 

Allianz: Silver-Liner-Project und frühzeitige Förderung von Talenten

Auch die Allianz hat erkannt, dass sich Vorausplanung über längere Zeitspannen hinweg lohnt, und 2010 ein Programm zur strategischen Personalplanung ins Leben gerufen. Mithilfe speziell entwickelter Tools wurden der Altersdurchschnitt der Belegschaft analysiert und Bereiche identifiziert, in denen in den nächsten zehn Jahren Lücken entstünden. So konnte der Dax-Konzern aufdecken, dass sich der Angestelltenanteil der über 50-Jährigen bis 2020 verdoppeln würde, und reagierte prompt: Neben der Förderung des Managementpotenzials von Frauen erhöhte er u. a. das Angebot an dualen Studienplätzen und startete das sogenannte "Silver-Liner-Project" für ältere Arbeitnehmer, in dessen Rahmen sich Fachkräfte über 55 Jahre durch Seminare und Coachings bis ins hohe Alter weiterentwickeln können. Auch die Allianz hat es sich zum Ziel gemacht, das Wissen ihrer pensionierten Mitarbeiter weiterhin zu Beratungszwecken zu nutzen.

Sorgfältige Vorarbeit lohnt sich

Unternehmen sollten sich nicht erst dann mit der Weiterbeschäftigung von Menschen im Rentenalter beschäftigen, wenn der Arbeitskräftebedarf auf andere Weise nicht mehr zu decken ist. Sie wären vielmehr gut beraten, über den Tellerrand zu blicken und ein lebensphasenspezifisches Personalmanagement zu betreiben. Ein stufenweiser Austritt aus dem Arbeitsleben, systematische Weiterbildungsmaßnahmen und flexible Arbeitsmodelle gehören genauso dazu wie eine Kultur der Wertschätzung älterer Mitarbeiter.

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