Führungskräfte im Home-Office: Mitarbeiter von zu Hause aus leiten
Arbeiten von zu Hause aus

Führungskräfte im Home Office: Mitarbeiter remote führen

In Zeiten der Corona-Pandemie haben viele Unternehmen ihre Angestellten ins Home-Office geschickt. Nicht nur die Mitarbeiter arbeiten zu Hause, auch die Führungskräfte. Doch wie führen Vorgesetzte ihre Mitarbeiter remote?

27 März 2020

Die aktuelle Situation stellt viele Unternehmen vor neue Herausforderungen. Während viele Betriebe bis auf Weiteres schließen müssen, können einige ihre Mitarbeiter ins Home-Office schicken und so den Arbeitsalltag aufrechterhalten. Damit begeben sich auch Führungskräfte in ungewohntes Terrain. Wie führen Vorgesetzte ihre Teams von zu Hause aus? Akzeptieren die Mitarbeiter Personalgespräche per Videochat? Wie geht ein Team mit Konflikten untereinander um? Wir zeigen auf, wie sich die Aufgaben von Führungskräften im Home-Office verändern und geben Tipps, wie Sie Ihr Team effizient führen können.

1. Technische Struktur für Zusammenarbeit schaffen

Damit die Mitarbeiter problemlos im Home-Office arbeiten können, ist es wichtig, die digitale Struktur dafür zu schaffen. Der VPN muss beispielsweise den vielen Anfragen Stand halten, damit die Mitarbeiter problemlos auf wichtige Dokumente oder Systeme in der Firma zugreifen können. Digitale Tools erleichtern außerdem die Zusammenarbeit: Dazu gehören etwa Videochat-Tools und z. B. eine Cloud-Lösung für die gemeinsame Dokumentenbearbeitung.

2. Offene Kommunikation

Sprechen Sie offen und ehrlich die neue Situation an, geben Sie einen Ausblick auf die Herausforderungen – für Sie persönlich und für Ihre Mitarbeiter. Bieten Sie Ihren Mitarbeitern ein offenes Ohr für ihre Probleme in dieser neuen Situation an.

3. Klare Regeln setzen

Vereinbaren Sie mit Ihrem Team klare Regeln und setzen Sie diese durch. Diese Handlungsvorgaben geben Ihren Mitarbeitern Orientierung für die Arbeit im Home-Office. Wenn jeder weiß, wie er sich zu verhalten hat, muss nicht jeder eigene Regeln für diese neue Situation erstellen.

4. Regelmäßige Meetings

Strukturieren Sie den Arbeitsalltag aus der Ferne. Regelmäßige Meetings helfen nicht nur bei der Organisation der Arbeit für Ihre Mitarbeiter, sondern bieten auch die Möglichkeit des Austauschs. Sie und ihre Mitarbeiter können Ihre Herausforderungen und Probleme offen und regelmäßig kommunizieren. Tipp: Schalten Sie dabei Ihre Kamera ein, dann fühlen sich die Teammitglieder gleich persönlicher angesprochen. Diese regelmäßigen Meetings fördern außerdem den Zusammenhalt innerhalb des Teams und bieten sich sogar für Coaching-Maßnahmen an.

5. Vertrauen lernen

Sie müssen Ihren Mitarbeitern vertrauen, dass sie ihre Aufgaben im Home-Office genauso erledigen wie am Arbeitsplatz, Sie können Ihrem Team ja auch im Büro nicht permanent über die Schulter schauen. Bringen Sie Ihren Mitarbeitern dieses Vertrauen auch offen entgegen und fragen z. B. nicht tagtäglich nach dem aktuellen Stand eines Projekts. Falls aber die Ergebnisse nicht stimmen oder der Mitarbeiter mehr Zeit als sonst dafür gebraucht hat, sprechen Sie ihn darauf an. Vielleicht gibt es Gründe dafür, die mit dieser speziellen Situation zu tun haben, etwa wenn er gleichzeitig seine Kinder betreuen muss.

6. Führen aus der Ferne

Die Ansprache der Mitarbeiter sollte aus dem Home-Office heraus häufiger und direkter erfolgen. Bieten Sie regelmäßige Feedback-Gespräche an, in denen Ihr Mitarbeiter über verschiedene Dinge sprechen kann. Auch Sie können hier regelmäßig auf seine Leistung eingehen. Ganz wichtig dabei: Klären Sie vorher Ihre Erwartungen. Kommunizieren Sie ganz klar, welche Erwartungen Sie an Ihren Mitarbeiter haben. Gleichzeitig kann er seine Anforderungen an die Führungskraft und das Team aufzeigen.

7. Aufgaben klar priorisieren

Nicht alles ist ein Notfall. Die Priorisierung der Arbeiten ist im Home-Office besonders wichtig. Der Mitarbeiter kann sich daran orientieren und verfällt nicht in Stress, alles sofort erledigen zu müssen.

8. Verständnis zeigen

Gleichzeitig Kinder betreuen und im Home-Office arbeiten? Das gelingt nicht immer besonders gut. Bieten Sie Ihren Angestellten an, die Arbeitszeit aufzuteilen, wenn es keine festen Zeiten für Kunden gibt. Zeigen Sie Verständnis für die außergewöhnliche Situation und Ihr Mitarbeiter wird es Ihnen danken und weiterhin seine Arbeit erledigen können.

9. Arbeitszeiten und Feierabend einhalten

Nur weil Ihr Mitarbeiter sein gesamtes Equipment zu Hause hat, bedeutet das nicht, dass er rund um die Uhr erreichbar ist. Im Home-Office ist es besonders wichtig, den Feierabend einzuhalten, um von der Arbeit abschalten zu können, auch wenn eine räumliche Trennung zum Arbeitsalltag nicht möglich ist. Sehen Sie deswegen von E-Mails und Calls außerhalb der Arbeitszeiten ab.

Diese neue Situation erfordert neue Hard und Soft Skills von Führungskräften. Diese sind auch nötig, denn die Arbeitswelt wird sich nach der Corona-Pandemie verändern, prophezeit Alain Dehaze, CEO der Adecco Group: „Nach der Corona-Krise wird das Arbeiten im Home-Office neuer normaler Alltag werden. Führungskräfte müssen deshalb lernen, die Mitarbeiter remote zu führen. Dafür brauchen sie neue Mittel und Wege, um Mitarbeiter zu motivieren und Projekte zu analysieren. Neben einer starken Unternehmenskultur und transparenten Werten gehören dazu etwa sehr gute Kommunikationsfähigkeiten.“

Aber auch den Unternehmen stehen Aufgaben bevor: Um diese neue Art des Arbeitens auf Dauer anbieten zu können, muss durch entsprechende Prozesse und digitale Tools gewährleistet werden, dass die Angestellten zu Hause genauso gut arbeiten können wie im Unternehmen.